Wacholder

Wacholder-Rinde Wacholderholz Wacholderzweig Wacholderbeeren
Das Holz des Wacholders ist relativ dicht, aber eher weich; dafür besitzt es jedoch eine widerspenstige Zähigkeit, weshalb es schwierig für Tischlerarbeiten zu verarbeiten ist.
Wacholderholz sollte an der Säge aufgetrennt werden; es läßt sich nur mit Verlust spalten.
Das Holz enthält kein Harz, aber es entströmt ihm ein wunderbarer, erquickend aromatischer Duft.

Man verwendet das Holz schon seit langer Zeit zum Binden und Flechten. Die Zähigkeit macht es ideal für Peitschenstiele und Faßreifen (hier spielt allerdings auch der Aberglaube eine Rolle...).
Bekannt sind die geflochtenen Untersetzer für heiße Töpfe.
Aus den Maserknollen des Wurzelholzes lassen sich schöne Pfeifenköpfe arbeiten.
Aufgrund der enormen Zähigkeit und Widerstandsfähigkeit des Holzes wird es seit alters her für Nagelverbindungen im Schiffsbau verwendet.
Soweit die technische Seite.

So mancher schreibt dem Wacholder auch eine Seele zu:
Wacholder!
‒ Oft verkannte bescheidene Schönheit,
die Dauerhaftigkeit und ewiges Leben
sowie die lieblichste Seele aller Hölzer
(den Geruch, besser noch als Sandel)
in sich trägt.


Der Baum besitzt enorme Ausdauer und stellt äußerst geringe Ansprüchen an den Boden; weil er aber nur selten einen geeigneten Lebensraum findet, steht der Baum mit Recht in Deutschland unter Naturschutz.

Weitere Namen

Juniperus communis L.
wissenschaftlich
juvenis= lat. Jüngling, pario= lat. ich gebäre;
Der Sadebaum (Juniperus sabina L.) wurde bei den Sabinerinnen zur Abtreibung verwendet; Wachholder hat Ähnlichkeit mit dem Sadebaum
Common Juniper
Großbritannien
Genévrier commun
Frankreich
Jeneverbes
Niederlande
Enebro
Spanien
Zimbro, Junipero
Portugal
Ginepro
Italien
(vanlig) en, enbuske
Schweden
(Közönséges) Boróka
Ungarn
Jalowiec
Polen
Kataja
Finnland
Feuerbaum, Wachtelbeerstrauch, Krammetsbaum, Krammelbeere
Trivialnamen
(Die Wacholderdrossel wird auch Krammetvogel genannt)
Wacholder
*weckl- (*ueg-)= germ. weben, knüpfen, versponnen
đr[a]= das germanische Suffix für "Baum"
also: Baum, dessen Zweige zum Binden, Flechten verwendet werden.
wachalter, wacholter, wach(h)older
frühniederhochdeutsch
wêchalter, wêchaltar, wêcholter, wachalter, wecheltürre
althochdeutsch
quëckal, quëckel= heilkräftig, erquickend, lebendig (wie in: quicklebendig, Quecke, Quecksilber)
quêcholder, queckholder, (weckholder)
althochdeutsch
Kranewite, Kramwit, Kramet
"Kranichholz" (?)
witu =ahd. Holz (engl: wood)
Kronewet
Siebenbürgen
Kranewutstaude
Österreich
Kranbaum
Waldeck
Kranawitt, Kranaweth
Bayern, Österreich
Machangel, Machandel, Machandelboom
Mittel- bis Ostdeutschland
Knistebusch, Knastebusch
Pommern (wegen des starken Knisterns beim Verbrennen im Räucherofen)
Quakel, Quakelbusk
Westfalen, Osnabrück
Wacholler
Oldenburg
Kaddik, Kaddig
Nordosteuropa
Kattich, Kaddich
Danzig, Livland (Vidzeme)
Kaddak, Kaddakas
Estland
Kadagys
Litauen
Kadik
Böhmen
Wacholderfrucht: Einbeer
Mecklenburg-Vorpommern (nach Herrman-Winter, a.a.O.)
Produkte aus Wacholderholz: Kaddik
So bezeichnet man im osteuropäischen Raum einfache Holzarbeiten, Spielzeug, das bestimmt oft aus solchem Holz gefertigt wurde, welches für andere (hochwertige) Zwecke nicht geeignet ist.
Das Wort Kadel wird in dem Bedeutungsumfeld 'Ofen, Ofenloch, Kiengewinnug, Räuchern' verwandt.
Wegholter, Regholter, Wegbaum, Reckbaum, Rehbaum, Röukholder, Dreckholder
Landschaftliche und umgangssprachliche Wort-Entwicklungen.

Biologische Daten

Blütenstand
zweihäusig
Blütezeit
April, Mai
Früchte reifen
im Oktober des 2. Jahres
Erreicht ein Alter von
möglicherweise bis 800 Jahren
Größe
bis zu 8 m

Heilwirkung

Die Beeren und das Holz werden für medizinische Zwecke verwendet.
Die Droge wirkt schweißtreibend und harntreibend. Sie wird zur Magenstärkung und gegen Blähungen angewandt, äußerlich zur Förderung der Durchblutung. Sie wird bisweilen auch bei Hautkrankheiten und gegen Gicht und Rheuma empfohlen.
Schwangere und Nierenkranke sollen die Droge auf jeden Fall meiden.

Weitere Verwendung

Klötzchen aus Wacholderholz im Kleiderschrank vertreiben "böse Geister" in Gestalt von Motten.
Die Einstreu von Nadeln (z.B. in den Zwischenboden) hält Mäuse ab.
Der Räucherglut zugesetzt vermittelt der Rauch ein wunderbar würziges Aroma.
Neben der Verwendung in der Küche (Sauerkraut, Rübenmus) wird aus den Beeren (Beerenzapfen) auch Schnaps gewonnen (sie enthalten allerhand Zucker).

Mythologie

  • Der Rauch der getrockneten Zweige soll böse Geister vertreiben.
  • Die Inder schreiben ihm die Kraft der Verjüngung zu.
  • Benutzt man beim Buttern einen Rührstecken aus Wacholder könne die böse Nachbarin das Buttern nicht verhindern.
  • In Wasser- und Trinkgefäße bindet der Faßbinder zum Schutz vor bösem Zauber stets etliche Streifen Wacholder mit ein.
  • Weinwirtschaften am Mittelrhein, die nur eigenen Wein verkaufen, werben mit einem Wacholderbusch für die Reinheit und gesunde Beschaffenheit ihres Getränks.

Brauchtum

  • Die Italiener sagen, der Verzehr täglich einer Beere halte ewig lebendig.
  • Wer einen Zweig am Hut trägt werde nicht müde und bekomme nicht den Wolf.
  • In den Alpen trägt man einen Wacholderzweig am Hut, wenn man auf Brautschau ist.
  • In Hessen und Braunschweig schlagen sich am Fastnachtstage scherzhaft Kinder untereinander, Knechte und Mägde die Vorgesetzten mit Wocholderzweigen. Die Geschlagenen müssen sich dann mit kleinen Gaben loskaufen.
  • Im Vogtland und sächsischen Erzgebirge gibt es das "Frischegrünpeitschen" mit Wacholderzeigen (auch mit Rosmarinzweigen): Ostermorgen werden die Frauen und Mädchen, am zweiten Ostertag die Männer und Jungen aus dem Bett geschlagen, wenn sie zu lange schlafen.
    Im unteren Vogtland und in der Reichenbacher Gegend geschieht das am 2. und 3. Weihnachtstag.
    In Leipzig schlagen die Kinder Aschermittwoch früh mit bändergeschmückten Tannenzweigen ihre Eltern im Bett.

Weitere Informationen

  • Projekt Baum des Jahres: Wacholder mit einer ausführlichen Beschreibung des Baumes.


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  • Literaturverzeichnis
  • 2019-07-30