Materialien
Für meine Arbeiten verwende ich verschiedene Materialien, die alle ihre spezifischen Vorzüge haben.- Hölzer zahlreicher Baumarten
- Metallbeschläge zumeist aus Messing bei beweglichen Teilen
- Klebstoffe und Leime bei zusammengesetzten Arbeiten
- Oberflächenmaterialien um die Arbeiten zu schützen.
Oberflächenmaterialien
I - Öle
Für Holzoberflächen werden sog. 'trocknende' Öle verwendet. Genau genommen ist das Trocknen eine Oxidation. Dabei vernetzen die Moleküle und bilden einen festen Film.Beim Auftragen dringt das Öl tief in die feinen Holzporen ein. Im Laufe der Trocknung bildet sich innerhalb der Holzsubstanz eine Barriere für Wasser und Schmutz.
Das Öl führt auch zu einer Transparenz der oberen Holzschichten, wodurch sie an optischer Tiefe gewinnen: sie werden 'lebendig'.
I.a - Leinöl
Das aus den Samen des Leins (Linum usitatassimum L.) gewonnene Öl ist seit langer Zeit der Rohstoff für Firnisse und Ölfarben.Je nach Sorte und Anbaugebiet unterscheidet sich die Qualität des Öles erheblich. Noch größeren Einfluß auf die Oberflächenqualität hat der Verlauf der Trocknung. Nur ein langsamer und vorsichtiger Trocknungsverlauf führt zu einer befriedigenden Oberfläche.
Dabei ist gerade bei feinen Artikeln ein dünner Auftrag wichtig; sonst fühlt sich die Oberfläche speckig an. Mindestens drei "Gänge" aus Ölauftrag und Trocknung sind für einen dauerhaften Schutz notwendig.
I.b - Walnußöl
Aus den Nüssen des Walnußbaumes wird dieses feine und helle Öl gewonnen. Es trocknet langsamer als Leinöl, bildet aber Oberflächen, die weniger spröde sind.Auch hier gilt: weniger ist mehr. Nur ein mehrmaliger dünner Auftrag mit anschließender vollständiger Trocknung ergibt eine feine warme Oberfläche.
Hinweise zur Pflege geölter Arbeiten
I.c - Tungöl
Die Früchte des zu den Euphorbiaceae gehörenden Tungbaumes (Aleuritis fortii, A. cordata) und des Abrasinbaumes (Aleuritis montana) aus Japan und China (und Südamerika?) liefern ein Öl, das zu einem besonders wetterbeständigen und festen Film trocknet. Für die Oberfläche von Kleinwaren eignet es sich als härtender Zusatz.I.d - andere Öle
Sowohl "danish oil" als auch "Teaköl" sind Bezeichnungen für Ölmischungen, die als solche im Handel angeboten werden.Es sind insbesondere die Trocknungszusätze die diese Öle auszeichnen. Die Filmbildung dieser Öle erfolgt innerhalb von Stunden, eine Aushärtung innerhalb eines Tages (bei den reinen Ölen muß man mehrere Tage rechnen).
Die Beschaffenheit der Oberfläche tendiert in Richtung eines feinen Firnisses.
II - Wachs
Wachse verleihen dem Holz einen eigenartigen wunderschönen seidigen Glanz. Die schönste Art, Holz zu schützen.Es kommt in erster Linie Bienenwachs in Frage, aber auch andere, pflanzliche Wachse, meist als Zusatz. Die Wachse kommen als Balsam zur Anwendung und bilden nach dem Abtrocknen und Polieren einen hauchdünnen Überzug.
Diese dünne Schicht bietet nur einen geringen Schutz gegen Feuchtigkeit und kaum Schutz vor Abnutzung. Bei keiner anderen Oberfläche kommt man dem Holz aber so nahe. Es fühlt sich gut an - .
Hinweise zur Pflege gewachster Arbeiten
III - Schellack
Schellack wird aus den Ausscheidungen der Lack-Schildläuse (Coccus lacca / Tachardia lacca) gewonnen.Diese werden in Burma, Indien und Sri Lanka auf dem Plossobaum (Butea monosperma) gezüchtet.
Die Läuse ernähren sich von dem Pflanzensaft und scheiden ein Sekret aus, das der Rohstoff für den Schellack ist.
In der Literatur ist zweifelhaft, ob das Sekret aus den Lackdrüsen der Laus ihren Körper einhüllt oder ob die Läuse ihre Eier in die Ausscheidungen ablegen, worunter die schlüpfenden Larven bestens geschützt sind.
(Die Bezeichnung Lac ist von dem Wort der Hindhi für 100 000 abgeleitet.)
Schellack ist je nach Sorte mehr oder weniger dunkel gefärbt. Bei hellen Holzarten macht sich das bemerkbar. Der flüssige Lack geht mit dem Holz eine sehr enge Bindung ein und bildet - je nach Grad der Politur - einen matten bis spiegelnden Glanz von ganz eigener Schönheit.
Schellack besitzt eine geringe Widerstandskraft gegen Alkohol (wer rührt denn mit einem Brieföffner seinen Martini? ;-)), aber eine hervorragende Beständigkeit gegen Handschweiß.
Der Lack wird in mehreren Arbeitsgängen und Trocknungsphasen mit jeweils hauchdünnen Aufträgen aufgebracht.
Weitere Informationen
| Tschirch, A. | Die Harze und die Harzbehälter | Leipzig, 1906 | Verlag von Gebrüder Borntraeger |
- Andrea Glatthor hat in einem Beitrag des Forums wood-line.de knapp und verständlich die Charakteristika trocknender Öle beschrieben.
